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Innovations-Zentrum der Telekom in Darmstadt (Foto: HEINERTOWN.DE)

Silicon-City: Wie Darmstädter Gründer ihren Konkurrenten aus London und Paris den Rang ablaufen

Darmstadt 07.08.2014

Kommt die Rede auf den Informationstechnik-Standort Darmstadt, so werden in der Regel Unternehmen wie die Deutsche Telekom oder die Software AG als Beispiele genannt. Was hingegen kaum bekannt ist: Nirgendwo sonst in Europa gibt es eine ähnlich rege IT-Gründerszene wie in der Stadt am Woog. Längst schaut man auch in Städten wie Paris oder London neidvoll nach Südhessen. HEINERTOWN-Autor Fabian May berichtet.

 

Die Erfolgsgeschichte von Elmar Eperiesi-Beck begann im Jahr 2003 in einem Ein-Raum-Büro in Griesheim. Zwei Campingtische, zwei Stühle, eine Kaffeemaschine, zwei Laptops, zwei Telefone – mehr hatten er und sein Kollege Dr. Bruno Quint nicht, als sie ihr IT-Security-Unternehmen „eperi“ gründeten. „Das Büro hat eigentlich eher an eine Garage erinnert. Aber wir haben damals fest an unseren Erfolg geglaubt“, erinnert sich Eperiesi-Beck.

Heute zählt „eperi“ in Darmstadt zu den IT-Vorzeige-Unternehmen. Das liegt nicht allein an der Expertise von Geschäftsführer Eperiesi-Beck und der Performance der 20 Mitarbeiter, die der Gründer mittlerweile beschäftigt. Der Erfolg von „eperi“ – das Unternehmen steht für Lösungen zum Verschlüsseln firmeninterner Datenbanken – hängt auch mit den Rahmenbedingungen zusammen, die IT-Unternehmer in Südhessen vorfinden.

Prinzipiell hat die Region um Darmstadt alles zu bieten, was man für erfolgreiche Geschäfte in der IT-Branche braucht: Einen der größten Flughäfen Europas, ein Umfeld, in dem es sich gut leben lässt – und nicht zuletzt leistungsstarke Hochschulen und Fachinstitute. „Man braucht eine Region, in der sich junge Menschen wohlfühlen“, sagt Professor Ralf Steinmetz, IT-Experte an der TU Darmstadt. „Einerseits können die Unternehmen dann auf entsprechend ausgebildeten Nachwuchs aus den Hochschulen zurückgreifen, andererseits auf Spezialisten, die von einem Unternehmen zum anderen wechseln.“

Unternehmen wie „consetto“. Gegründet im Februar 2014, hat die kleine Software-Firma um die drei Informatiker Michael Scharf, Kristijan Madunic und Jens Haase sich innerhalb weniger Monate einen Namen gemacht. Die drei Absolventen der TU Darmstadt, allesamt um die 30, entwickelten gemeinsam ein Programm, das Unternehmen dabei hilft, schriftliches Kundenfeedback – zum Beispiel aus dem Bereich „Frequently Asked Questions“ (FAQ) – auszuwerten. „Die Software erkennt zum Beispiel, ob ein Kommentar positiv oder negativ gemeint ist, sei es jetzt bei facebook oder beim FAQ. Anhand der Daten unseres Programms lassen diese Kommentare sich wesentlich einfacher einordnen“, erklärt Michael Scharf das Konzept, für das „consetto“ im Frühjahr beim „Gründerwettbewerb – IKT Innovativ“ einen Preis im Wert von 6.000 Euro erhielt.

Start-Up-Projekte wie „consetto“ oder wie einst „eperi“ sind es, die so manchen Experten zum Vergleich mit dem „Silicon Valley“ ermutigen. Selbstverständlich geht es dabei nicht um deren momentane Wirtschaftskraft. Die lässt sich mit den Branchengrößen, die in der gigantischen US-amerikanischen Wirtschafts- und Forschungs-Metropolregion im Süden San Franciscos ansässig sind, nicht vergleichen. Vielmehr ist es eine Frage des Pioniergeistes. Schließlich sind Microsoft, Apple, Google oder facebook nicht an einem Tag entstanden. Die gigantischen Erfolge waren das Ergebnis von harter Arbeit und einer gehörigen Portion Mut.

Eben daran muss hierzulande noch gearbeitet werden, findet Professor Ralf Steinmetz: „Es geht dabei um kulturelle Unterschiede. Wenn in Deutschland jemand etwas auf die Beine stellen möchte, wird er, wenn er scheitert, dafür kritisiert. Ich war selbst einige Jahre im Silicon Valley und habe die Erfahrung gemacht, dass man die Leute dort in diesem Fall lobt und ermutigt, es einfach noch einmal zu probieren.“ Das Potential dafür, dass in der Zukunft vielleicht ein Darmstädter Ähnliches vollbringt, sieht Steinmetz aber in jedem Fall: „Ich begleite bei der TU jedes Jahr ein Gründer-Projekt und muss sagen: Es gibt so viele tolle Innovationen hier in der Region, das kann gelingen.“

 
 
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