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Schrott-Händler: „Unsere Existenz ist bedroht und das so kurz vor Weihnachten“ (Foto: HEINERTOWN.DE/Andreas Kelm)

Recycling: Die Darmstädter Schrott-Händler fürchten um ihre Existenz

Darmstadt 09.11.2012

Die Schrott- und Recycling-Händler in Darmstadt leben von dem, was andere wegwerfen: Waschmaschinen, Kühlschränke und alte Kupfer-Rohre. Bei den gegenwärtig hohen Metallpreisen scheinbar ein lohnendes Geschäft. Doch sorgen sich die Schrotthändler auch ausreichend um das Thema Umweltschutz? In Berlin hat man da so einige Bedenken. Deshalb gelten für Schrotthändler seit Mitte dieses Jahres strengere Regeln. Deutschlands Alteisen-Händler - auch die in Darmstadt - fürchten nun um ihre Existenz. Eileen Passarelli berichtet.

Das Wort vor dem die Darmstädter Schrotthändler Angst haben, ist eine Erfindung von Berliner Regierungsbeamten. Der Begriff, den sich die Staatsdiener ausgedacht haben, heißt Kreislaufwirtschaftsgesetz. Vereinfacht gesagt geht es darum, dafür zu sorgen, dass wiederverwertbare Wertstoffe zu denen auch Alt-Metall gehört, ökologisch einwandfrei recycelt werden. Um sicher zu sein, dass das auch tatsächlich passiert, will man jetzt die Schrotthändler, die derzeit von den hohen Alt-Metall-Preisen profitieren, strenger überwachen.

Seit dem 1. Juni 2012 sind allein die Städte für die Entsorgung von Elektroaltgeräten zuständig. Laut diesem Kreislaufwirtschaftsgesetz ist Schrott nun Abfall und der gehört der Stadt. Die rund 40.000 Alteisenhändler in Deutschland dürfen zwar auch weiterhin Metallschrott sammeln, müssen sich gleichwohl strenger überwachen lassen.

Auch der Betrieb von Karin Wolfram ist betroffen. Die in Riedstadt ansässige Unternehmerin hat kurzerhand die Interessengemeinschaft der Altkleider- und Schrotthändler gegründet. „Unsere Existenz ist bedroht: sechs Mitarbeiter und deren Familien und das so kurz vor Weihnachten.“

Wobei die Alteisenhändler in Südhessen noch Glück haben. In Darmstadt beispielsweise gibt es trotz einer grün-schwarzen Stadtregierung bislang keine sogenannte Ausführungs-Richtlinie, in der geregelt ist, wie das Gesetz anzuwenden ist.

„In Darmstadt ist die Lage noch vergleichsweise entspannt“, sagt Wolfram. Das neue Gesetz hält sie dennoch für Schrott. Will sich ein Alteisenhändler gesetzeskonform verhalten, muss er sich nicht nur beim Regierungspräsidium registrieren lassen. Er muss auch jede geplante Sammlung drei Monate im Voraus anzeigen. „Hierbei müssen die Händler angeben, was und welche Mengen gesammelt werden. Das ist nicht machbar“, so Wolfram.

Funktioniert alles so, wie man sich das in Berlin vorstellt, fragen die zuständigen Mitarbeiter des Regierungspräsidiums im jeweiligen Rathaus nach, ob der Händler ‘sammeln und befördern‘ darf, wie das Ganze auf Beamtendeutsch heißt. „Doch da es vielerorts städtische Entsorgungs-Unternehmen gibt, lautet die Antwort oft ‚Nein‘“, wie die Riedstädter Unternehmerin berichtet.

Warum man den Alteisenhändlern das Geschäft streitig machen will? In vielen Elektronik-Teilen, so heißt es in Berlin, seien unterschiedliche Materialien verbaut. Die enthielten eine Vielzahl an Schwermetallen wie Blei, Arsen, Kadmium und Quecksilber und weitere hochgiftige und umweltgefährdende Stoffe. Die Regelung soll verhindern, dass beim Auseinandernehmen ausrangierter Elektrogeräte schädliche Stoffe in die Umwelt gelangen.

Doch Karin Wolfram lässt diesen Einwand nicht gelten. „Jetzt werden alle Schrott-Händler unter Generalverdacht gestellt. Als ob die per se den Schrott falsch trennen. Dabei machen wir das schon Jahrzehnte und werden zudem noch kontrolliert.“

Darüber hinaus, so Wolfram, erbrächten die Schrott-Händler eine Dienstleistung, wenn sie etwa älteren Menschen die Waschmaschine aus dem Keller oder vom Speicher tragen. „Bei der städtischen Entsorgung müssten sie das auf die Straße stellen.“

In der kommenden Woche soll es jetzt Verhandlungen mit den Vertretern des Regierungspräsidiums Darmstadt geben. „Wir wollen gemeinsam an einem Kompromiss arbeiten.“

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