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Sandhausens Trainer Alois Schwartz (Foto: Picture Alliance)

HEINERTOWN-Liga-Check: Warum Sandhausens Trainer Alois Schwartz vor den Lilien Respekt hat

Darmstadt 21.07.2014

Lange haben die Darmstädter darauf warten müssen, doch am 3. August ist es soweit: In der neuen Spielzeit gibt es nach 21 Jahren Abstinenz am Böllenfalltor wieder Zweit-Liga-Fußball zu sehen. HEINERTOWN hat sich bei den 17 Liga-Konkurrenten der Lilien schon mal umgetan und interessante Antworten erhalten. Erste Folge: SV Sandhausen.

Beim SV Sandhausen stapelt man gerne tief: „Sich fest in der zweiten Liga zu etablieren“ – so lautet das vorrangige Ziel von Sandhausens Trainer Alois Schwartz (47) für die neue Saison. Eine Antwort, die Darmstadts Chef-Coach Dirk Schuster vermutlich so ähnlich gegeben hätte.

Wie Schuster trat auch Schwartz den Trainerposten in einer aussichtslosen Situation an: Der SV Sandhausen war am Ende der Saison 2012/2013 unter Leitung von Trainer Hans-Jürgen Boysen nach nur einem Jahr Zweitklassigkeit sportlich in die 3. Bundesliga abgestiegen. Weil dem MSV Duisburg die Lizenz entzogen wurde, durfte Sandhausen in der zweiten Liga bleiben. Schwartz, vom SC Rot-Weiß Erfurt kommend, gelang es, trotz schwieriger finanzieller Lage einer desillusionierten Mannschaft Kampfgeist einzuimpfen. Die vergangene Saison beendeten die Schwarz-Weißen mit 44 Punkten auf den zwölften Tabellenplatz. Zwischenzeitlich sah es sogar nach mehr aus, denn bereits am 28. Spieltag erreichte der SVS die „magische Marke“ von 40 Punkten.

Kein Wunder also, dass der ehemalige Profifußballer Schwartz, der während seiner aktiven Zeit unter anderem bei den Stuttgarter Kickers spielte, heute in Sandhausen das volle Vertrauen der Geschäftsführung hat. Ein Beleg dafür ist auch vorzeitige Vertragsverlängerung bis zum Jahr 2016 vor wenigen Tagen. „Wer die sportliche Entwicklung in den verflossenen Monaten verfolgte, kann nur zu diesem Ergebnis kommen“, begründet SVS-Geschäftsführer Otmar Schork diese Entscheidung.

Momentan konzentriert sich Schwartz auf die Saisonvorbereitung, die etablierten Spieler und die Neuverpflichtungen sollen zu einem Team geformt werden. Zehn neue Profis hat man für die kommende Spielzeit verpflichtet. „Mein Ziel ist es, aus den Spielern schnell eine Einheit zu formen, und den Mannschaftsgeist zu wecken. Unsere Stärke der vergangenen Saison war, dass die Mannschaft gut zusammengehalten hat, dass sie Siegeswillen gezeigt hat. Das muss uns auch in dieser Saison wieder gelingen“, sagt Schwartz im Gespräch mit HEINERTOWN. Aufstiegsambitionen sind da erst einmal kein Thema: „Ziel ist es, das in der vergangenen Saison erreichte wieder zu schaffen, also die Saison im guten Mittelfeld zu beenden“.

Da die Mannschaft nach Ansicht des Trainers in der vergangenen Spielzeit zu wenig Tore geschossen hat, verstärkt Schwartz für die neue Saison vor allem die Spitze – auch weil Stürmer Ranisav Jovanovic wegen seines im April erlittenen Kreuzbandrisses in den kommenden Monaten nicht eingesetzt werden kann. Zu den Neuverpflichtungen gehört der vom SV Ried kommende Mittelfeldstürmer René Gartler, der in seiner Heimat Österreich in der U20-Nationalmannschaft spielte. Vom SV Kaiserslautern kommt Mittelstürmer Andrew Wooten, von Bayer 04 Leverkusen II kommt der Marokkaner Aziz Bouhaddouz, ebenfalls Mittelstürmer. Die teuerste Neuverpflichtung ist jedoch Mittelfeldspieler Kevin Kratz, der vergangene Saison noch für Eintracht Braunschweig spielte und laut „Transfermarkt.de“ derzeit einen Marktwert von einer Million Euro hat.

Die bislang ausgetragenen Vorbereitungsspiele für die neue Saison zeigen, dass die Sandhausener auf dem richtigen Weg sind. Nach holprigem Start gegen den SV Wehen Wiesbaden (1:1) und den SV Waldhof Mannheim (0:2) gab es anschließend gegen den TuS Mechtersheim (4:2) und der U23 des VfL Wolfsburg (5:0) zwei Erfolge. Der Bundesligist FC Augsburg konnte bei einem Testspeil im Trainingslager mit 4:2 besiegt werden. Am vergangenen Wochenende gewann der SV Sandhausen das Blitzturnier um den „Heimspielcup“ in Ludwigshafen. Im Endspiel setzte sich der Zweitligist mit 6:5 im Elfmeterschießen gegen den SV Wehen Wiesbaden durch, zuvor besiegte man den Oberligisten Arminia Ludwigshafen mit 4:1. Am kommenden Sonntag (27. Juli) treffen die Spieler im Hardtwaldstadion in einem weiteren Testspiel auf den Bundesligisten Eintracht Frankfurt.

Dass der SV Darmstadt 98 am 3. August kein leicht zu schlagender Gegner sein wird, ist Schwartz bewusst: „Das wird ein schweres Spiel, weil die Mannschaft von Schuster noch in der Aufstiegs-Euphorie steckt und darum sehr motiviert auf den Platz treten wird. Ich habe vor der Mannschaft sehr viel Respekt, weil sie in der vergangenen Saison großen Kampfgeist gezeigt hat und kompakt aufgetreten ist, zudem ist sie in der Defensive sehr gut aufgestellt.“

Der SV Darmstadt 98 und der SV Sandhausen trafen im Profi-Fußball bislang zweimal aufeinander, und zwar in der Saison 2011/12 als Drittligisten. Am 6.8. 2011 traten die Lilien in Sandhausen an und mussten sich mit einem 2:0 für die Hausherren geschlagen geben, am 21.01.2012 gingen die Lilien im Böllenfalltor-Stadion als Sieger vom Platz - 4:1 lautete damals das Endergebnis.

Daten zum SV Sandhausen 1918:

In der 2. Bundesliga seit der Saison 2012/13

Präsident: Jürgen Machmeier(seit 1999)

Geschäftsführer: Otmar Schork (seit 2001)

Trainer: Alois Schwartz (seit der Saison 2013/14)

Co-Trainer: Gerhard Kleppinger

Torwarttrainer: Daniel Ischdonat


Aktuelle Mannschaft:

Tor: Michael Hiegl, Marco Knaller, Dominik Machmeier, Manuel Riemann

Abwehr: Timo Achenbach, Florian Hübner, Tim Kister, Lukas Kübler, Max Müller, Seyi Olajengbesi, Leart Paqarada, Marc Pfertzel, Daniel Schulz, Radoslov Zabavnik

Mittelfeld: Alexander Bieler, Marvin Knoll, Kevin Kratz, Moritz Kuhn, Stefan Kulovits, Denis Linsmayer, Jim-Patrick Müller, Manuel Stiefler, Marco Thiede, Simon Tüting, Robert Zillner

Sturm: Nicky Adler, Aziz Bouhaddouz, René Gartler, Ranisav Jovanovic, Andrew Wooten

Marktwert der Mannschaft: 11,25 Millionen Euro (laut Transfermarkt.de)

Stadion: Hardtwaldstadion (12.100 Plätze)

Vereinsfarben: Schwarz-Weiß


Höhepunkte der Vereinsgeschichte:

Nordbadischer Amateurmeister 1977

Deutscher Amateurvizemeister 1977

Deutscher Amateurmeister 1978, 1993

Badischer Pokalsieger 1977, 1978, 1981, 1982, 1983, 1985, 1986, 1995, 2006, 2007, 2010, 2011

Teilnehmer DFB-Pokal 1978, 1979, 1982, 1983, 1984, 1986, 1987, 1994, 1996, 2006, 2007, 2010, 2011

Meister Oberliga Baden-Württemberg 1981, 1985, 1987, 1995, 2000, 2007

Aufsteiger Regionalliga Süd 2007

Qualifikation 3. Liga 2008

Meister 3. Liga 2011 / 2012


SVS-Hymne:
Das Beste hier in dem Revier ist Sandhausen und das sind wir
Der SVS im ganzen Land, in jedem Stadion wohlbekannt
Unsre Farben sind schwarz-weiß, darauf sind wir alle heiß
Es sind die Farben der Nation, sie sind bei uns schon Tradition