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Aalens Trainer Stefan Ruthenbeck (Foto: HEINERTOWN.DE)

HEINERTOWN-Liga-Check: Warum nach Ansicht von Aalens Trainer Ruthenbeck mit den Lilien zu rechnen ist

Darmstadt 28.07.2014

Lange haben die Darmstädter darauf warten müssen, doch am 3. August ist es soweit: In der neuen Spielzeit gibt es nach 21 Jahren Abstinenz am Böllenfalltor wieder Zweit-Liga-Fußball zu sehen. HEINERTOWN hat sich bei den 17 Liga-Konkurrenten der Lilien schon mal umgetan und interessante Antworten erhalten. Dritte Folge: VfR Aalen 1921 e.V.

Die Aalener haben sich bereits an die Rolle des ewigen Underdogs gewöhnt. Seit der der VfR Aalen in der Saison 2012/13 erstmals in der zweiten Bundesliga antrat, gilt der Verein unter Experten als Abstiegskandidat – so auch wieder in dieser Saison. Resümiert man jedoch die Vorbereitung der Aalener, so wird deutlich, dass die Schwaben durchaus in der Lage sind, selbst hochklassigen Gegnern Paroli zu bieten: Zwei Testspiele gegen Erstligisten - gegen den FC Freiburg Mitte diesen Monats und gegen Eintracht Frankfurt am vergangenen Donnerstag - endeten 1:1 unentschieden.

Seit dem Aufstieg in die zweite Bundesliga erzielt der VfR mit knappen finanziellen Mitteln gute sportliche Resultate, rettete sich in beiden Spielzeiten jeweils frühzeitig vor dem Abstieg. Die vergangene Saison beendeten die Schwaben auf Rang 11. Trotz dieses Erfolgs muss Stefan Ruthenbeck, seit Juni 2013 Chefcoach der Aalener, in diesen Sommer sein Team komplett umkrempeln. Der Grund: Wegen fehlenden Geldes können Leistungsträger auf der Ostalb nicht gehalten werden. Nahezu das halbe Team wurde während der zurückliegenden Wochen ausgetauscht, bislang zwölf Spieler für die aktuelle Saison neu verpflichtet.

Statt bei anderen Vereinen teure Profis abzuwerben, bedient sich Ruthenbeck lieber bei Klubs aus unterklassigen Ligen, holt Spieler, für die nur eine geringe oder gar keine Ablösesumme fällig wird. Aktuelle Beispiele sind Rechtsverteidiger Phil Ofosu-Ayeh, der ablösefrei vom MSV Duisburg kommt, Mittelfeldspieler Maximilian Welzmüller, der ablösefrei von der SpVgg Unterhaching wechselt, und Innenverteidiger Sebastian Neumann, der ohne Ablösesumme vom VfL Osnabrück nach Aalen kommt.

Doch auch einen WM-Spieler findet man im aktuellen Kader des VfR. Aalens Nr . 1, Jasmin Fejzic, stand bei der Fußball-WM in Brasilien für Bosnien-Herzegowina im Tor. Und auch Oliver Schnitzler, der sich mit der deutschen U19-Nationalmannschaft in Ungarn für das EM-Halbfinale qualifizierte, gehört zum aktuellen Kader, ebenso der kanadische Nationalspieler André Hainault. Die Publikums-Lieblinge Andreas Hofmann und Leandro Grech, beide Mittelfeldspieler, bleiben dem Verein eine weitere Saison erhalten. Insgesamt hat das derzeit 27-köpfige Team von Ruthenbeck laut „Transfermarkt.de“ einen Marktwert von 8,43 Millionen Euro.

Den Underdog-Status seiner Mannschaft will Ruthenbeck in dieser Saison früh loswerden – am liebsten bereits beim Zweitliga-Auftaktspiel gegen RB Leipzig am 2. August. Nach den kämpferischen Leistungen gegen die Erstligisten während der Vorbereitungsphase ist Ruthenbeck zuversichtlich.

Als Stärke seines Teams nennt er im Gespräch mit „HEINERTOWN „die Balance zwischen Ballbesitz und Konterspiel“. Wenn der VfR am dritten Spieltag am Böllenfalltor auf den SV Darmstadt 98 trifft, wird dies für beide Mannschaften eine Chance sein, eine Duftmarke zu setzen. Denn in Wettbüros stehen die Prognosen für beide Mannschaften schlecht. Sowohl Aalen als auch Darmstadt gelten unter Wett-Experten – etwa auf dem Portal „wettfreunde.net“ – als die wahrscheinlichsten Absteiger. Eine Prognose, die VfR-Chefcoach Ruthenbeck nicht teilen will: „Darmstadt hat viele gute Spieler verpflichtet, zusätzlich wird die Aufstiegs-Euphorie die Mannschaft tragen. Daher ist immer mit Darmstadt zu rechnen.“

Der SV Darmstadt 98 und der VfR Aalen trafen zuletzt in der Saison 2011/12 in der dritten Bundesliga aufeinander. Damals endete das Spiel auf der Ostalb 1:1 (0:1), das Rückspiel am Böllenfalltor verloren die Lilien mit 1:2 (0:2).

Daten zum VfR Aalen 1921 e.V.:

Präsident: Berndt-Ulrich Scholz (seit 2003)
Geschäftsführer: Carl Ferdinand Meidert (seit Januar 2014)
Trainer Stefan Ruthenbeck (seit Juni 2013)
Co-Trainer: Michael Schiele
Torwart-Trainer: Timo Reus

Aktuelle Mannschaft 2014/15:
Tor: Jasmin Fejzic, Daniel Bernhardt; Oliver Schnitzler
Abwehr: André Hainault, Sebastian Neumann, Oliver Barth, Sascha Mockenhaupt, Arne Feick, Dennis Chessa, Phil Ofosu-Ayeh
Mittelfeld: Andreas Hofmann, Maximilian Welzmüller, Jürgen Mössmer, Manuel Junglas, Leandro Grech, Felix Nierichlo, Andreas Ludwig, Fabio Kaufmann, Nejmeddin Daghfous, Nicola Zahner
Angriff: Michael Klauß, Dominick Drexler, Maximilian Oesterhelweg, Fabian Weiß, Collin Quaner, Thomas Steinherr, Robert Lechleiter

Gesamtwert der Mannschaft: 8,43 Millionen Euro

Stadion: Scholz Arena (Kapazität14.500 Zuschauer)

Vereinsfarben: Schwarz-Weiß

Höhepunkte der Vereinsgeschichte:
Aufstieg in die 2. Bundesliga 2012
siebenmaliger wfv-Pokal-Gewinner (2010, 2004, 2002, 2001, 1986, 1979, 1972)
dreimaliger Meister der Amateurliga (1975, 1974, 1951)
Aufstieg in die Gauliga (damals höchste deutsche Spielklasse, 1939)