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Mannschaft von Eintracht Braunschweig (Foto: HEINERTOWN.DE)

HEINERTOWN-Liga-Check: In Braunschweig ist man beeindruckt von den Lilien

Darmstadt 06.08.2014

Lange haben die Darmstädter darauf warten müssen, doch endlich ist es soweit: In der neuen Spielzeit gibt es nach 21 Jahren Abstinenz am Böllenfalltor wieder Zweit-Liga-Fußball zu sehen. HEINERTOWN hat sich bei den 17 Liga-Konkurrenten der Lilien schon mal umgetan und interessante Antworten erhalten. Sechste Folge: Eintracht Braunschweig.

Himmel und Hölle – mit diesen beiden Worten lassen sich die vergangenen zwei Jahre der Braunschweiger Fußballprofis zusammenfassen. Im Fußballhimmel schwebte Eintracht Braunschweig in der Saison 2012/13. Die Mannschaft um Trainer Lieberknecht übernahm früh die Tabellenführung in der zweiten Bundesliga, blieb an den ersten 14 Spieltagen ungeschlagen. Erst am 23. Spieltag konnte die Eintracht nach einer Heimniederlage gegen 1860 München von der Hertha entthront werden. Den zweiten Tabellenplatz ließ sich die Mannschaft jedoch nicht mehr nehmen, und am 31. Spieltag machte das Team durch einen 1:0-Auswärtssieg beim FC Ingolstadt 04 den Bundesligaaufstieg vorzeitig perfekt. Nach 28 Jahren der Zweit- und Drittklassigkeit waren die Braunschweiger wieder erstklassig.

In der Saison 2013/14 erlebte der BTSV dann die Fußball-Hölle: Die Mannschaft konnte gegen die Konkurrenz in der ersten Liga nur mühsam punkten, erst am 8. Spieltag gelang dem Team mit einem 2:0 gegen den VfL Wolfsburg ein Sieg. Den letzten Tabellenplatz hatte man zu diesem Zeitpunkt schon fest gebucht. Daran änderte sich bis zum Saisonende nichts mehr. Am Ende hatte die Eintracht magere 25 Punkte erspielt, als logische Konsequenz ging es wieder zurück in die zweite Liga.

Dass der ehemalige Nationalspieler Lieberknecht nach der erfolglosen Saison immer noch in Braunschweig auf dem Trainerstuhl sitzt, ist im Fußballgeschäft nicht alltäglich. Doch Fans, Mannschaft und Präsidium lieben ihren Lieberknecht. Schließlich hat er während seiner aktiven Zeit als Spieler vier Jahre lang – von 2003 bis 2007 – für den Verein gekickt; schließlich hat er als Trainer der Mannschaft innerhalb von fünf Jahren zweimal zum Aufstieg verholfen. Da werden dann auch Rückschläge verziehen. Bereits im Februar dieses Jahres wurde der Trainervertrag von Lieberknecht vorzeitig bis 2017 verlängert.

Für den Bundesliga-Absteiger kann das Ziel in dieser Saison nur Wiederaufstieg heißen. Zumal die Eintracht finanziell gut dasteht. Auf dem Transfermarkt konnte der Verein für die neue Saison bekannte Profis verpflichten. Der Norweger Mushanga Bakenga vom belgischen Erstligisten FC Brügge soll künftig für den BTSV im Angriff Akzente setzen. Ebenfalls neu ist der von Freiburg kommende Norweger Vegar Eggen Hedenstad (Mittelfeld) sowie der Schweizer Saulo Decarli (Abwehr), der vom italienischen Serie-A-Absteiger AS Livorno zu den Blau-Gelben wechselt. Mit Mirko Boland, Dennis Kruppke, Norman Theuerkauf oder Jan Hochscheidt wurden zudem wichtige Schlüssel-Spieler der vergangenen Spielzeit gehalten.

Während der Vorbereitung für die neue Saison nahm sich Lieberknecht Bundestrainer Joachim Löw zum Vorbild. Während eines Kurztrainingslagers im Harz steckte er die Spieler in Wohngemeinschaften mit Fünf- und Sechsbett-Zimmern, um so das Mannschaftsgefühl zu stärken. Die Aktion scheint Erfolg gebracht zu haben, denn bei Testspielen gegen internationale Erstligisten wie Sønderjyske (Dänemark), FC Zbrojovka Brünn (Tschechien) , Teuta Durres (Albanien), Dynamo Moskau (Russland) und Maccabi Haifa (Israel) gingen die Blau-Gelben jeweils als Sieger vom Platz. Nur gegen den Europa-League-Gewinner FC Sevilla (Spanien) musste sich die Mannschaft von Lieberknecht knapp mit 1:2 geschlagen geben. Das Zweitliga-Auftaktspiel bei Fortuna Düsseldorf endete am vergangenen Wochenende 1:1 unentschieden.

Zuversichtlich blickt dann auch Mark Arnold, der sportliche Leiter von Eintracht Braunschweig, in die kommende Saison: „Unsere Mannschaft ist eingespielt, taktisch flexibel und kann sich auf die Unterstützung der Fans und des Umfelds verlassen“, beschreibt der ehemalige Bundesliga-Profi im Gespräch mit HEINERTOWN die Stärken der Braunschweiger.

Und auch wenn das Spiel gegen den SV Darmstadt 98 noch gut sechs Wochen entfernt ist – einen bleibenden Eindruck haben die Lilien in Braunschweig bereits hinterlassen – nicht zuletzt durch den Sieg gegen Sandhausen beim Auftaktspiel: Der SV Darmstadt habe „ein Team mit mannschaftlicher Geschlossenheit, das derzeit von der Aufstiegseuphorie profitiert“, so Arnold.

Gegen den SV Darmstadt 98 werden die Blau-Gelben am 19. September in Braunschweig antreten. Zuletzt trafen die beiden Teams während der Saison 1992/93 als Zweitligisten aufeinander. Hin- und Rückspiel endeten damals jeweils unentschieden: 0:0 trennte man sich im Eintracht-Stadion, 1:1 endete die Partie in Darmstadt.

Daten zum Sportverein Eintracht Braunschweig:

Präsident: Sebastian Ebel (seit Dezember 2007)
Geschäftsführer: Soeren Oliver Voigt (seit Juli 2008)
Sportlicher Leiter: Mark Arnold (seit Juni 2008)

Trainer: Torsten Lieberknecht (seit Mai 2008)
Co-Trainer: Darius Scholtysik (seit Mai 2008)
Torwart-Trainer: Alexander Kunze (seit Juli 2009)

Aktuelle Mannschaft 2014/15:
Tor: Rafal Gikiewicz, Marjan Petkovic
Abwehr: Marcel Correia, Saulo Decarli, Deniz Dogan, Matthias Henn, Jan Washausen, Ken Reichel, Mohammad Baghdadi, Vegar Eggen Hedenstad, Benjamin Kessel
Mittelfeld: Norman Theuerkauf, Damir Vrancic, Marc Pfitzner, Raffael Korte, Mirko Boland, Jan Hochscheidt, Björn Kluft, Salim Khelifi, Hendrick Zuck, Gianluca Korte
Angriff: Torsten Oehrl, Dennis Kruppke, Havard Nielsen, Mushaga Bakenga, Orhan Ademi

Marktwert der Mannschaft: 17,55 Millionen Euro (laut transfermarkt.de)

Stadion: Eintracht-Stadion (Kapazität: 25.540 Plätze)

Vereinsgründung: 15. Dezember 1895

Vereinsfarben: blau-gelb

Höhepunkte der Vereinsgeschichte:
Deutscher Meister 1967
Insgesamt 21 Jahre Bundesliga
drei Aufstiege in die Bundesliga: 1974, 1981 und 2013
vier Aufstiege in die 2. Bundesliga: 1988, 2002, 2005 und 2011
Ewige Tabelle der Bundesliga: Platz 19 (903 Punkte)
Ewige Tabelle der 2. Bundesliga: Platz 25 (650 Punkte)
Halbfinale im DFB-Pokal 1981 (2:3 gegen den 1. FC Kaiserslautern)
Halbfinale im DFB-Pokal 1990 (0:2 gegen Werder Bremen)