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Profis der SpVgg Greuther Fürth beim Training (Foto: HEINERTOWN.DE)

HEINERTOWN-Liga-Check: Für Fürths Trainer Kramer sind die Lilien am Böllenfalltor nur schwer zu bezwingen

Darmstadt 11.09.2014

Lange haben die Darmstädter darauf warten müssen, doch endlich ist es soweit: In der neuen Spielzeit gibt es nach 21 Jahren Abstinenz am Böllenfalltor wieder Zweit-Liga-Fußball zu sehen. HEINERTOWN hat sich bei den 17 Liga-Konkurrenten der Lilien schon mal umgetan und interessante Antworten erhalten. Vierzehnte Folge: SpVgg Greuther Fürth.

Fünfzehn Kilometer oder zwanzig Autominuten sind die Spielorte voneinander entfernt – das Stadion am Laubenweg, Spielstätte der SpVgg Greuther Fürth, und das Grundig-Stadion des 1. FC Nürnberg, dem Erzrivalen der „Kleeblätter“. Viele Jahre standen die Fürther Fußballer im Schatten des erfolgreicheren Nachbarn. Während die Nürnberger seit Einführung der Bundesliga im Jahr 1963 überwiegend in der ersten Liga spielten, traten die Fürther vor allem in der zweiten Liga oder der Regionalliga Süd an. Doch der FCN schwächelt seit Mitte der Neunziger und pendelt seit diesen Spielzeiten zwischen erster und zweiter Liga; die Fürther präsentieren sich hingegen zunehmend erfolgreich. Kommt es also bald zu einer Wachablösung im Frankenland?

Von 1997 bis 2012 spielte die SpVgg Greuther Fürth ohne Unterbrechung zweiklassig. Seit der Saison 2000/2001 gelang den Kleeblättern fast durchgehend eine Platzierung im oberen Tabellendrittel der Liga. Diverse Male scheiterten sie nur knapp am Aufstieg, weshalb die Mannschaft sich den Ruf einhandelte, „unaufsteigbar“ zu sein. Doch die Spielzeit 2011/2012 beendete die Mannschaft als Zweitliga-Meister und machte damit ihren ersten Aufstieg ins Oberhaus der Bundesliga perfekt.

Frank Kramer ist seit März 2013 Chefcoach der Fürther. Sein Vorgänger Büskens wurde von der Vereinsführung vorzeitig beurlaubt, weil das Team nach 22 Spielen mit 12 Punkten auf dem letzten Tabellenplatz der Bundesliga stand. Den Abstieg in die zweite Liga konnte Kramer zwar nicht mehr verhindern, dennoch zog der Trainer schnell die Sympathien auf sich. Schließlich gelang es den Fürthern unter dem Kommando des heute 42-Jährigen, den FC Nürnberg im Frankenderby am 21. April 2013 mit 1:0 zu schlagen.

In der vergangenen Saison verpasste die Spielvereinigung nur knapp den direkten Wiederaufstieg. Greuther Fürth stand am letzten Spieltag auf dem dritten Tabellenplatz und trat gegen den HSV zur Relegation für die 1. Liga an. Nach einem 0:0 auswärts und einem 1:1 zu Hause scheiterten die Fürther jedoch aufgrund der Auswärtstorregel und blieben zweitklassig.

Fürths größtes Manko in der Vorsaison war die mangelhafte Chancenverwertung. Für die aktuelle Saison mussten daher neue Offensiv-Kräfte her: Vom RB Salzburg warben die Fürther den österreichisch-kroatischen Stürmer Robert Žuljab ab (Marktwert 1,25 Millionen Euro), vom VfB Stuttgart kam der neuseeländische Nationalspieler Marco Rodrigo Rojas (Marktwert 1 Millionen Euro), der ebenfalls Fürths Angriff verstärken soll. Teuerster Neuzugang ist jedoch der brasilianische Verteidiger Guilherme Haubert Sitya (Marktwert 2,2 Millionen Euro). Er soll die Lücke schließen, die Abdul Rahman Baba nach seinen
Abgang zum Erstligisten Augsburg hinterlassen hat.

Die aktuelle Saison begann für die Fürther nicht schlecht: Es gab ein 1:1-Unentschieden auswärts gegen Bochum, eine 0:2-Niederlage auswärts gegen Ingolstadt und einen 3:0-Sieg Zuhause gegen den FC St. Pauli. Besonders süß schmeckte jedoch der Sieg gegen den 1. FC Nürnberg. 5:1 fegten die Kleeblätter den ewigen Rivalen im Stadion am Laubenweg vom Platz. Seit dem Jahr 1953 steht die Spielvereinigung in der Tabelle damit erstmals vor den Clubberern – die Kleeblatt-Fans feierten das wie den Gewinn der Meisterschaft. Nach vier Spieltagen ist Greuther Fürth mit sieben Punkten Siebenter – einen Rang vor Nürnberg, jedoch drei Ränge hinter Darmstadt.

Respektvoll äußert sich Kleeblatt-Chefcoach Kramer im Gespräch mit HEINERTOWN über die Leistung der Lilien: „Darmstadt ist richtig stark in die Spielzeit gestartet. Sie haben in den ersten Begegnungen schon gezeigt, was in ihnen steckt. Gerade vor heimischer Kulisse mit zwei Siegen haben die Lilien bewiesen, dass es schwer wird, sie im altehrwürdigen Stadion am Böllenfalltor zu bezwingen.“

Auch mit der Leistung des eigenen Teams ist Kramer bislang zufrieden: „Ich glaube wir haben eine homogene Truppe und sind schwer ausrechenbar. Wir versuchen guten Fußball zu spielen und gleichzeitig auch die Defensivarbeit nicht zu vernachlässigen. Wichtig ist, dass wir in jedem Spiel unsere Tugenden voll einbringen.“ Ob er denn auch in dieser Saison mit seiner Mannschaft Aufstiegs-Ambitionen habe, wollte der Trainer nicht verraten; doch dass man sich in dieser Saison nach den verbockten Relegationsspielen gegen Hamburg hohe Ziele gesetzt hat, dürfte klar sein.

Gegen den SV Darmstadt 98 hat die SpVgg Greuther Fürth bereits 25 mal gespielt – neun Siege gingen auf das Konto der Darmstädter, elf auf das der Fürther, fünf Partien endeten unentschieden. Das letzte Kräftemessen liegt dennoch lange zurück: Am 5.8.2007 besiegten die Franken im DFB-Pokal den damaligen Oberligisten Darmstadt 98 am Böllenfalltor mit 3:1. In der ersten Dezember-Woche wird die SpVgg Greuther Fürth erneut am Böllenfalltor zu Gast sein.

Daten zur SpVgg Greuther Fürth
Präsident: Helmut Hack (seit 01.07.1996)
Geschäftsführer: Holger Schwiewagner (seit 01.07.2012)
Cheftrainer: Frank Kramer (seit 12.03.2012)
Co-Trainer: Mirko Dickhaut (seit 01.07.2013)
Torwart-Trainer: Frederik Gößling (seit 01.07.2013)

Aktuelle Mannschaft
Tor: Wolfgang Hesl, Mark Flekken, Tom Mickel
Abwehr: Benedikt Röcker, Zsolt Korcsmár, Florian Mohr, Thomas Kleine,
Guilherme Haubert Sitya, Niko Gießelmann, Alexandros Kartalis, Ste
phan Schröck
Mittelfeld: Marco Caligiuri, Stephan Fürstner, Goran Sukalo, Dwayn
Holter, Florian Trinks, Marco Stiepermann, Thomas Pledl, Orkan Cinar,
Zhi Gin Lam, Tom Weilandt
Angriff: Robert Zulj, Marco Rojas, Johannes Wurtz, Muhammed Kayaroglu,
Ilir Azemi, Kacper Przybylko

Marktwert der aktuellen Mannschaft: 20,70 Millionen Euro (laut
Transfermarkt.de)
Vereinsgründung: 23. September 1903 (1995 Beitritt der TSV
Vestenbergsgreuth)
Stadion: Stadion am Laubenweg (Kapazität: 18.000 Plätze)
Vereinsfarben grün-weiß

Erfolge in der Vereinsgeschichte
1913/14, 1925/26, 1928/29 Deutscher Meister
1996/97 Aufstieg in die Zweite Liga
2011/12 Deutscher Zweitligameister und Aufstieg in die Erste Liga