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Mannschaft des 1. FC Nürnberg (Foto: 1. FC Nürnberg)

HEINERTOWN-Liga-Check: Nürnberg-Chefcoach Ismaël hakt Wiederaufstieg bereits ab

Darmstadt 30.09.2014

Darauf haben die Lilien-Fans lange warten müssen: In der aktuellen Fußballsaison gibt es nach 21 Jahren Abstinenz am Böllenfalltor wieder Zweit-Liga-Fußball zu sehen. HEINERTOWN hat sich bei den 17 Liga-Konkurrenten der Lilien schon mal umgehört und interessante Antworten erhalten. Siebzehnte und letzte Folge: 1. FC Nürnberg.

Enttäuschte Gesichter beim 1. FC Nürnberg – der Bundesliga-Absteiger findet in der zweiten Bundesliga nur schwer ins Spiel. Nach acht Spieltagen stehen die Franken derzeit mit neun Punkten auf dem 13. Tabellenplatz, vor dem knappen 3:2-Sieg gestern (29.9.) gegen Kaiserslautern rangierte der Club sogar noch auf einem Abstiegsplatz. Trainer Valerien Ismaël steht massiv unter Druck. Denn die Vereinsführung hatte mehr erwartet. Unter Ismaëls Leitung sollten die Nürnberger in dieser Saison den direkten Wiederaufstieg schaffen.

Zwölf Spieler haben den 1. FC Nürnberg nach dessen Abstieg am Ende der vergangenen Saison verlassen. Um die Lücken zu schließen, wurde am Transfermarkt teuer neuverpflichtet: Der tschechischen Nationalspieler Ondrej Celustka hat einen Marktwert von 2,5 Millionen Euro. Er steht seit dieser Saison neben Nicolas Stark (MW 2 Millionen Euro) in der Abwehr der Nürnberger. Ebenfalls neu im Team ist der portugiesische Mittelfeldspieler Daniel Candeias (MW 3 Millionen Euro), der von Portugals Erstliga-Verein Benfica Lissabon geliehen wurde. Und der slowakische Nationalspieler Jakub Sylvestr (MW 1,8 Millionen Euro), der von Erzgebirge Aue abgeworben wurde, soll in dieser Saison Akzente im Sturm des FCN setzen. Doch teure Spieler alleine sind eben kein Erfolgsgarant, solange das Zusammenspiel in der Mannschaft nicht klappt.

Der Wiederaufstieg - für Trainer Ismaël ist dieses Ziel nach der mageren Ausbeute von neun Punkten aus acht Spielen bereits gescheitert: "Wir müssen jetzt kleinere Brötchen backen. Die bisherige Zielsetzung ist in der aktuellen Konstellation nicht realisierbar", sagte der Chefcoach etwa vergangene Woche auf der Pressekonferenz nach der 0:3-Klatsche gegen Heidenheim. Ismaël betonte, dass es nun wichtig sei, den Druck von der Mannschaft zu nehmen und ihr wieder "Spaß am Fußball" zu vermitteln.

Doch ist Ismaël für diese Aufgabe der richtige Mann? Zumindest in Aufsichtsratskreisen des 1. FC Nürnberg hält man noch an den Deutsch-Franzosen fest. "Wir haben Vertrauen in unseren Trainer. Er arbeitet ruhig, gelassen und akribisch an der Situation und das beeindruckt mich", sagte etwa Sportdirektor Wolfgang Wolf im Interview mit „SPORT1“ zu der Personalie. Doch viel Zeit dürfte Ismael nicht mehr bleiben, um sein Team aus der Krise zu führen.

Krisen und Turbulenzen im Profifußball – das sind die Fans des FCN gewohnt. Nicht umsonst gelten die Clubberer, wie sich die Anhänger des 1. FC Nürnberg selbst nennen, als ausgesprochen leidensfähig. Geradezu legendär sind zwei Gegebenheiten in der Klub-Historie, die diese Leidensfähigkeit begründen: Da war zum einen die Saison 1967/68, als der FCN unter Trainer Max Merkel Deutscher Meister wurde, und dann bereits in der Folgesaison in die zweite Liga abstieg. Zum anderen gewannen die Franken in der Saison 2007/08 erstmals den DFB-Pokal, und schafften in der Folgesaison wieder nicht den Klassenerhalt. Große Siege und bittere Niederlagen lagen im Frankenstadion immer schon nah beieinander.

Doch die aktuelle Saison ist noch lange nicht gelaufen, und so werden die Nürnberger vielleicht bis zum 27.10., wenn das Spiel gegen den SV Darmstadt 98 am Böllenfalltor ansteht, ihr Selbstvertrauen wieder gefunden haben. Mut dürfte den Clubberern die bisherige Bilanz gegen die Lilien machen: 21 Spiele bestritten die beiden Teams bislang gegeneinander, in neun davon verließ der FCN den Platz als Sieger. Nur fünf Mal siegten die Darmstädter; sieben Partien endeten mit einem Remis. Viel Aussagekraft hat diese Statistik freilich nicht – schließlich liegt das letzte Spiel der beiden Kontrahenten nun schon knapp zwanzig Jahre zurück.

Daten zum 1.FC Nürnberg

Aufsichtsratsvorsitzender: Klaus Schramm
Sportlicher Leiter: Martin Bader (seit 1.1. 2004)
Direktor Profifußball: Wolfgang Wolf (seit 15.05.2014)

Cheftrainer: Valérien Ismaël ( seit 1.7.2014)
Co-Trainer: Marek Mintál (seit 1.7.2013)
Co-Trainer: Roger Stilz (seit 1.7.2014)
Torwart-Trainer: Daniel Klewer (seit 16.7.2014)

Aktuelle Mannschaft der Saison 2014/15:
Tor: Raphael Schäfer, Patrick Rakovsky, Samuel Radlinger
Abwehr: Niklas Stark, Dave Bulthuis, Ondrej Petrak, Even Hovland, Özgür Özdemir, Manuel Bihr, Cristian Ramírez, Javier Pinola, Ondrej Celustka, Tobias Pachonik
Mittelfeld: Jan Polak, Jürgen Mössmer, Willi Evseev, Timo Gebhart, Alessandro Schöpf, Daniel Candeias, Robert Koch, Markus Mendler
Angriff: Danny Blum, Mike Ott, Jakub Sylvestr, Peniel Mlapa, Niclas Füllkrug

Marktwert der aktuellen Mannschaft: 22,68 Millionen Euro (laut Transfermarkt.de)

Vereinsgründung: 4. Mai 1900
Stadion: Grundig-Stadion (ehemals Frankenstadion; Kapazität: 50.000 Sitzplätze)
Vereinsfarben: rot-weiß

Erfolge der Vereinsgeschichte:
9 mal Deutscher Meister (1967/68, 1960/61, 1947/48, 1935/36, 1926/27, 1924/25, 1923/24, 1920/21, 1919/20)
4 mal Deutscher Pokalsieger (2006/07, 1961/62, 1938/39, 1934/35)
Aufstieg in die 1. Bundesliga: 1977/78, 1979/80, 1984/85, 1997/78, 2000/01, 2003/04, 2008/09