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Reges Interesse: Rund 300 Darmstädter kamen gestern zum Rundgang durch die Lincoln-Siedlung. (Foto: HEINERTOWN.DE /Andreas Kelm)

Lincoln-Siedlung: Neuer Lebensraum für knapp 3.000 Darmstädter

Darmstadt 11.11.2014

Noch sagen sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ auf dem verwaisten Gelände der Lincoln-Siedlung. Doch im Laufe der nächsten Jahre soll das seit dem Jahr 2008 leerstehende, ehemalige US-Militärgelände südlich von Bessungen in ein modernes und lebendiges Stadtviertel umgestaltet werden. Während eines Rundgangs auf dem Gelände verrieten Oberbürgermeister Jochen Partsch, Baudezernetin Cornelia Zuschke und bauverein-Vorstandsvorsitzender Hans-Jürgen Braun gestern (10.11.) den interessierten Bürgern, wie die Lincoln-Siedlung bald verändert werden soll.

Rund 300 Darmstädter standen gestern um 16:30 vor den Südtoren der Lincoln-Siedlung, um an der Führung durch das knapp 250.000 m² große Gelände teilzunehmen. Mitarbeiter des Darmstädter Stadtplanungsamts beantworteten bei dem 90-minütigen Rundgang bereitwillig Fragen, auch ein bereits sanierter Studenten-Wohnblock nahe der Noackstraße, in dem ab Dezember dieses Jahres Studenten einziehen sollen, durfte besichtigt werden. Im Anschluss informierten Partsch, Zuschke und Braun über den aktuellen Sachstand und die weiteren Planungsschritte.

Im März 2014 hatte der Aufsichtsrat der bauverein AG den Weg für den Erwerb des Geländes, das ursprünglich im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) stand, geebnet - ein entsprechender Vertrag wurde am 29. Juli 2014 unterzeichnet. In etwa zwei Wochen sollen die letzten Verkaufsformalitäten geregelt sein, dann ist die bauverein AG, beziehungsweise deren Tochter BVD NEW Living GmbH & Co. KG, Eigentümer des Areals und der darauf stehenden Immobilien. In enger Abstimmung mit der Stadt Darmstadt wird nun an der Erschließung der Lincoln-Siedlung gearbeitet.

Das Gelände der Lincoln-Siedlung umfasst 33 in den fünfziger Jahren erbaute Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 588 Wohnungen. Außerdem stehen in der Siedlung zehn öffentliche Gebäude – darunter zwei Kinderbetreuungsinstitutionen und zwei Schulen. Ein Teil der Gebäude ist so sanierungsbedürftig, dass sie abgerissen werden müssen. Sie sollen durch Neubauten ersetzt werden. Zusätzlicher Wohnraum soll durch Aufstockung der Bestandsgebäude gewonnen werden. Insgesamt sollen in der Siedlung durch Verdichtung und effizienter Bebauung mindestens 1.200 Wohnungen entstehen – Platz für knapp 3.000 Darmstädter.

Doch die neue Lincoln-Siedlung soll nicht einfach nur Wohnraum bieten. Großen Wert legen Zuschke und Partsch darauf, dass hier ein zeitgemäßes Stadtviertel für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen entsteht: „Aus der in großen Teilen gleichförmigen ehemaligen amerikanischen Siedlung wird sich ein lebendiges, sozial durchmischtes Quartier entwickeln, in dem von Studierenden bis hin zu Familien viele verschiedene Menschen ein Zuhause finden werden. Eine wichtige Rolle spielen dabei gemeinschaftliche Wohnprojekte ebenso wie generationsübergreifende und integrative Ansätze“, meinte Zuschke.

Vorgesehen ist ein ausgewogener Mix aus frei finanzierten, geförderten und Eigentumswohnungen. Geförderter Wohnraum soll etwa 15 Prozent des Wohnungsangebotes ausmachen; 30 Prozent der Wohnfläche sollen für „Sonderwohnformen“ wie etwa Seniorenwohnen, Wohngruppen, studentisches Wohnen oder Mehrgenerationenwohnen genutzt werden.

Die ersten Anwohner der neuen Lincoln-Siedlung werden Studenten sein – denn schon ab Dezember werden 216 Studentenwohnplätze, die in drei sanierten Blocks im nördlichen Teil der Lincoln-Siedlung entstanden sind, bezugsfertig sein. Zwei Drittel der Wohnplätze konnten bereits bei einem Besichtigungstermin am Wochenende vermietet werden.

Belebt werden soll das Viertel durch die Errichtung einer neuen, nahe an der Straßenbahnhaltestelle „Heidelberger Straße“ gelegenen Grundschule sowie die Integration zweier Kindergärten. Im Zentrum des Viertels sollen zudem Möglichkeiten für die Ansiedlung von Einzelhandel und Gastronomie geschaffen werden. Als attraktive Treffpunkte sollen ein zentrale Parkanlage und ein System von Grünflächen entstehen.

Um die Lebensqualität im neuen Viertel weiter zu steigern, will man seitens der Stadt bereits in der Planung für einen reduzierten Autoverkehr sorgen. Breite Straßen für den Durchgangsverkehr soll es im Quartier daher nicht geben. Stattdessen plant man ein „innovatives Mobilitätsmanagement, das auf eine Stärkung des Carsharing, der Elektromobilität und des ÖPNV ebenso wie auf leistungsfähige Fuß- und Radwegeverbindungen setzt.“

Bei der Erschließung des neuen Viertels will Partsch die Darmstädter nicht außen vor lassen. So ist bereits für Anfang des kommenden Jahres eine weitere Infoveranstaltung für Bürger vorgesehen, um deren Ideen und Vorschläge früh in den weiteren Planungsprozess einbeziehen zu können. „Dies ist Teil unseres transparenten Wegs mit steter Beteiligung der Bürgerschaft“, findet der Oberbürgermeister – und hebt am Ende der Veranstaltung hervor, wie gut die Zusammenarbeit zwischen der bauverein AG und der Stadt Darmstadt im bisherigen Planungsprozess verlaufen sei.

Führte Partsch hier einen Seitenhieb in Richtung der Darmstädter SPD-Fraktion aus? Die informierte nämlich vergangene Woche über Unstimmigkeiten zwischen der Stadt und der bauverein AG bezüglich der beabsichtigten Gesellschaftskonstruktion der BVD NEW Living GmbH und Co-KG. „Es könne nicht sein, dass es, weil die Stadt und ihre Tochter offenbar uneinig seien, zu Verzögerungen im Konversionsprozess kommt“, so die SPD in einer Pressemitteilung, „vor dem Hintergrund des massiven Drucks auf dem Wohnungsmarkt müsse schnell Wohnraum zur Verfügung gestellt werden.“

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