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Festtagsstimmung bei der ESA: Der historische Erfolg brachte auch die Prominenz zum Jubeln. (Foto: HEINERTOWN.DE/Andreas Kelm)

Rosetta und „Tschuri“: Der Meilenstein ist gelungen

Darmstadt 12.11.2014

Die Reise ist beendet: Nach mehr als zehn Jahren und über sechs Milliarden absolvierten Kilometern hat „Philae“, das Labormodul der Raumsonde Rosetta, den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko („Tschuri“) erreicht. Kurz nach 17 Uhr (MEZ) wurde das entsprechende Signal am heutigen Mittwoch (12.11.) empfangen. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, dass einem Raumfahrzeug die Landung auf einem Kometen gelungen ist.

Die Spannung im ESA-Kontrollzentrum in Darmstadt war förmlich greifbar: Mit bangen Blicken starrten die beteiligten Wissenschaftler auf ihre Monitore. Schweißperlen ließen ihre Gesichter glänzen, schließlich war längst nicht klar, ob eines der schwierigsten Unterfangen in der Geschichte der Raumfahrt denn auch wirklich gelingen würde. Dann lieferte Flugleiter Andrea Accamazzo endlich die erlösende Nachricht: „Der Lander sitzt auf dem Felsen!“ Sofort wich die Anspannung der Erleichterung, und die gestandenen Wissenschaftler lagen sich in den Armen wie Kinder.

Die ohnehin große Anspannung hatte bei den Forschern in der Nacht zum Mittwoch noch einmal zugenommen, nachdem klar geworden war, dass das Active Descent System des Labormoduls „Philae“ defekt ist. Es sollte ursprünglich dafür sorgen, dass der Flugkörper nicht von dem Kometen abgestoßen wird, da die Anziehungskraft von „Tschuri“ außerordentlich gering ist. Statt der Düse wurde der Einsatz der Harpunen, die „Philae“ auf dem Kometen Halt geben sollten, von den für die Landung zuständigen Wissenschaftlern im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln bereits etwas früher vorgenommen – mit Erfolg: „Philae geht es gut. Wir sehen ein konstantes Signal. Sie ist nur vier Zentimeter in die Oberfläche eingesunken. Das zeigt, dass die Oberfläche für die Landung geeignet war“, sagte ein Sprecher der ESA.

Die Düsen waren letztlich das einzig gravierende Problem, mit dem die Wissenschaftler bei der Landung zu kämpfen hatten. Ansonsten lief beinahe alles nach Plan: Um 9.35 Uhr (MEZ) wurde das Modul von seinem Mutterschiff abgekoppelt. Anschließend dauerte es noch einmal sieben Stunden, ehe „Philae“ tatsächlich die Oberfläche des 22,5 Kilometer entfernten Kometen erreichte. Ein erstes, unscharfes Foto, das die Raumsonde Rosetta kurz nach dem Abkoppeln zeigte, erreichte die Erde um 15 Uhr. Eine Stunde später folgte ein Bild, das „Philae“ kurz nach dem Abkoppeln mit ausgefahrenen Beinen zeigte. Weitere 60 Minuten später folgte dann die Nachricht, die Luft- und Raumfahrtfans auf der ganzen Welt begeistert.

Als die Nachricht vom Erfolg der Landung im ESA-Kontrollzentrum die Runde machte, kannte die Freude keine Grenzen. „Das ist ein großer Schritt für die Raumfahrt und die menschliche Zivilisation“, freute sich ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier bezeichnete die geglückte Landung als „epochales Ereignis“ und sprach von einem „Tag der Begeisterung“, vergleichbar mit der Mondlandung vom 21. Juli 1969. Brigitte Zypries (MdB) lobte derweil die erfolgreiche Zusammenarbeit der europäischen Wissenschaftler: „Kein europäisches Land kann eine solche Mission alleine realisieren. WIr können das nur zusammen leisten.“

Die ESA-Mission „Rosetta“ soll die Entstehungsgeschichte unseres Sonnensystems erforschen, indem sie einen der ältesten und ursprünglichsten Himmelskörper untersucht: einen Kometen. „Das Sonnensystem gehört der Menschheit. Diese Mission ist der erste Schritt, um es in Besitz zu nehmen“, sagte ein Sprecher der NASA. „Es ist unser Schicksal, von unserem Planeten aus aufzubrechen. Und das heute gehört zu der Art von Schritten, die dazu gehören.“

In das Landemanöver waren Forscher aus drei Zentren eingebunden: vom federführenden Rosetta-Missionsbetriebszentrum im Europäischen Satellitenkontrollzentrum ESA/ESOC in Darmstadt, vom Philae Lande-Kontrollzentrum beim DLR in Köln sowie vom Zentrum für den wissenschaftlichen Betrieb des Landes in Toulouse. Die Landung geschah komplett automatisch, da eine direkte Steuerung von der Erde wegen der großen Entfernung und der damit verbundenen Zeitverzögerung von etwa einer halben Stunde nicht möglich war.

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