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Soll so facettenreich werden wie die Fassade dieses Gebäudes der Hochschule Darmstadt: das Pina Bausch-Archiv in Wuppertal. (Foto: HEINERTOWN.DE/Andreas Kelm)

h_da: Dritte Generation von Studierenden helfen beim Aufbau eines multimedialen Pina-Bausch-Archivs in Wuppertal

Darmstadt 25.11.2014

Computer trifft Tanz: Die weltberühmte Choreographin Pina Bausch hat nach ihrem Tod 2009 ein umfangreiches Vermächtnis aus zehntausenden Fotos, zahlreichen Videos, Regiebüchern, persönlichen Skripten und mehr hinterlassen. Diese werden seit Jahren von den Mitarbeitern der von ihrem Sohn Salomon Bausch gegründeten Pina Bausch-Stiftung gesichtet und digitalisiert. Studierende und ForscherInnen des Fachbereichs Media der Hochschule Darmstadt (h_da) helfen – ins besondere in punkto Datenbank-Technik – beim Aufbau dieses multimedialen Pina-Bausch-Archivs. Das Archiv soll im geplanten „Internationalen Tanzzentrum Pina Bausch“ in Wuppertal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Seit rund drei Jahren arbeiten die Mitarbeiter der von Salomon Bausch gegründete Pina Bausch-Stiftung und die Studierenden und ForscherInnen des Instituts für Kommunikation und Medien der h_da gemeinsam an einem digitalen Archiv. Die Arbeit an der Mammutaufgabe sei mittlerweile weit gediehen: Unzählige Fotos, Videos und Aufzeichnungen aller Art wurden digitalisiert, mit Aufführungsdaten verknüpft und eingepflegt. Die Herausforderung für Salomon Bausch und seine Team-Mitglieder ist es, eine Vielzahl unterschiedlicher Informationen und Interpretationen über Stücke, Spielszenen oder Rollenbeschreibungen gleichberechtigt zu integrieren. Dabei spielt die an der h_da entwickelte Technik eine zentrale Rolle: Das Archiv vernetzt nach dem „Linked Data“-Prinzip verschiedene Informationen miteinander, anstatt sie wie bei konventionellen Datenbanken in feste Kategorien einzusortieren.

Auf diese Weise entstehe eine offene, flexible und pluralistische Datenbank. „Für den Nutzer sieht diese aus wie eine typische Internetseite“, erklärt Prof. Dr. Bernhard Thull, der am Fachbereich Media der h_da Wissensmanagement und Informationsdesign lehrt und das Projekt als Spezialist begleitet. Jede Information könne prinzipiell mit jeder anderen verknüpft werden. Klickt man zum Beispiel auf das Stück „Im Wind der Zeit“, gelangt man zu einer Übersicht mit Links zu verschiedenen Aufführungen des Stücks an unterschiedlichen Spielstätten und Tagen, die wiederum Fotos und Videos von genau dieser Aufführung enthalten.

Dem umfangreichen Werk von Pina Bausch gerecht zu werden, sei keine einfache Aufgabe – nicht nur wegen der schier unüberschaubaren Menge von Hinterlassenschaften der Choreographin und ihrer Wuppertaler Kompanie: Allein die Sammlung der von Pina Bausch ausgewählten Aufführungsfotos umfasst mehr als 10 000 Bilder von 162 Fotografinnen und Fotografen. Die Mitarbeiter der Stiftung finden aber auch immer wieder kleine Informationsfetzen wie persönliche Anweisungen Bauschs auf einem handgeschriebenen Zettel in der Tasche eines jahrelang nicht getragenen Kostüms.

Künftig sollen Pina Bausch-Fans mitgebrachte Erinnerungsstücke wie Fotos oder Programmhefte mit fachlicher Unterstützung durch die Stiftung selbst einpflegen können. Die Macher hoffen, dass sie das Archiv in einigen Jahren in dem geplanten „Internationalen Tanzzentrum Pina Bausch“ in Wuppertal dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich machen können. Das soll nicht nur Fans von Pina Bausch dienen: „Das Archiv ist auch gedacht als Unterstützung für Wissenschaftler und für die Recherche von Tänzern und Choreographen für die Wiederaufführung von Stücken“, erklärt Prof. Thull. Eine Anbindung an das Internet oder andere Archive sei aufgrund der Flexibilität der Konstruktion und der konsequenten Nutzung von quelloffener Software ebenfalls möglich.