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Abgas-Skandal: Volkswagen bereitet Rückrufaktion vor (Foto: AFP)

SPD fordert Umrüstung manipulierter VW-Autos

Berlin 26.09.2015

Im Skandal um manipulierte Abgaswerte bei VW werden die Rufe nach Rückrufaktionen und Entschädigung lauter. VW müsse die manipulierten Fahrzeuge sofort in die Werkstätten rufen "und die Manipulation beheben", sagte SPD-Fraktionsvize Sören Bartol.

Im Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen werden die Rufe nach Rückrufaktionen und Entschädigung lauter. "VW muss die manipulierten Fahrzeuge in Deutschland sofort und freiwillig in die Werkstätten rufen und die Manipulation beheben", sagte SPD-Fraktionsvize Sören Bartol. Ein Volkswagen-Sprecher sagte AFP, der Konzern werde einen Maßnahmenplan präsentieren und "dann sagen, wann wir voraussichtlich eine Rückrufaktion starten".

Bartol forderte in der "Bild"-Zeitung eine kostenlose Umrüstung der 2,8 Millionen Volkswagen-Fahrzeuge, die in Deutschland mit manipulierter Software ausgerüstet sind.

Volkswagen plane eine kostenfreie Maßnahme im Rahmen einer Rückrufaktion, sagte der VW-Sprecher. Dabei werde es zum Beispiel ein Software-Update geben. VW arbeite derzeit einen Katalog ab. "Wir sind mit Vollgas dran, das offenzulegen", sagte der Volkswagen-Sprecher. Die Fahrzeuge mit der manipulierten Abgas-Software seien identifiziert, nun müssten die Fahrzeugnummern ermittelt werden. Sobald anhand der Fahrgestellnummer festgestellt worden sei, wo sich die Autos befänden, könnten die Händler informiert werden, die wiederum Kontakt zu den Kunden aufnähmen.

Die frühere Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, die Bundesregierung müsse die Verbraucher bei der Durchsetzung ihrer Rechte unterstützen. Bundesverbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) solle klären, welchen Rechtsweg betroffene Kunden einschlagen könnten. Darüber hinaus müsse mit Volkswagen geklärt werden, welche Entschädigungsangebote der Konzern den Kunden freiwillig anbieten könne.

Ein Sprecher des Verbraucherschutzministeriums sagte AFP, die Aufklärung des Skandals laufe derzeit noch. Zunächst müsse der Abschluss der von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eingerichteten Untersuchungskommission abgewartet werden. Erst danach könnten Angaben zu Kulanzregelungen gegeben werden, die zudem "wohl von VW ausgehen werden".

Von dem Abgas-Skandal sind weltweit allein rund fünf Millionen Fahrzeuge der Marke Volkswagen Pkw betroffen, wie der Vorstandsvorsitzende der Marke Volkswagen, Herbert Diess, mitteilte. Eine interne Auswertung habe ergeben, dass Fahrzeuge bestimmter Modelle und Baujahre betroffen seien, wie zum Beispiel der VW Golf der sechsten Generation, der VW Passat der siebten Generation und die erste Generation des VW Tiguan. Diese seien ausschließlich mit Dieselmotoren des Typs EA 189 ausgestattet.

Alle Neuwagen der Marke Volkswagen Pkw, die über die europaweit gültige EU6-Norm verfügten, seien nicht von der Abgas-Manipulation betroffen, betonte Diess. Dies gelte unter anderem für die aktuellen Golf-, Passat- und Touran-Modelle.

Die US-Umweltbehörde EPA hatte in der vergangenen Woche aufgedeckt, dass bei VW-Dieselfahrzeugen in den USA die Abgastests manipuliert worden waren. Mit Hilfe einer speziellen Software wurden im Testbetrieb deutlich weniger gesundheitsschädliche Stickoxide gemessen als im regulären Betrieb. Die Software ist laut VW in insgesamt elf Millionen Fahrzeugen des Konzerns weltweit verbaut. In Deutschland sind laut Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) 2,8 Millionen Fahrzeuge betroffen.

Als Konsequenz aus der Affäre war Martin Winterkorn am Mittwoch als Vorstandsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns zurückgetreten. Zu seinem Nachfolger wählte der Aufsichtsrat am Freitag den bisherigen Porsche-Chef Matthias Müller.

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